Abriss meines bisherigen Lebens

 

Ich wurde am 19. März 1980 in Luzern geboren. Aufgewachsen bin ich in Hergiswil (NW), wo ich die gesamte Grundschule absolvierte. Danach wechselte ich an das Kollegium St. Fidelis in Stans, wo ich im Jahr 2001 die Matura mit dem Typus B (Latein) abgeschlossen habe. Die Zeit am Gymnasium war sehr prägend für mich. Ich darf aber auch sagen, dass ich an dieser Schule meine heutige Frau Jane kennenlernen (und lieben lernen;-)) durfte.

Ein schweres Schicksal musste ich mit meiner Familie im Sommer des Jahres 1997 hinnehmen, als unser Vater Erich an einem bösartigen Hirntumor erkrankte. Im Frühling 1998 mussten wir uns nach langer und aussichtsloser Krankheit von unserem geliebten Vater verabschieden. Diesen sinnlosen und viel zu frühen Verlust werde ich in meinem ganzen Leben nie verstehen können. Irgendwann lernt man zu akzeptieren - zu verstehen wohl ein ganzes Leben lang nicht. Mein Vater war und bleibt mein grösstes Vorbild und schon so oft in meinem jungen Leben wäre ich froh gewesen ihn an meiner Seite zu wissen - in guten wie in schlechten Zeiten.

Andy Egli, der damalige Trainer beim FC Luzern, bot mir ab der Saison 1998/1999 einen Profivertrag an. Er bemühte sich sehr und stellte mir sogar eine Sportschule in Aussicht, die ich alternativ zum Kollegium hätte besuchen können. Ich hatte somit die Wahl zwischen der sofortigen Lancierung einer Profikarriere (ohne fundierte Ausbildung) oder dem Abschluss der Matura mit Verzicht auf eine sofortige Sportkarriere. Ich entschied mich für das Gymnasium, schliesslich hatte ich meiner Ansicht nach auch nach dem Abschluss noch reichlich Zeit um als Profi zu fungieren - vorausgesetzt dass die Möglichkeit noch bestehen sollte.

Durch diesen Entschluss war ich gezwungen 1999 vom FCL (wo ich bereits Teileinsätze in der 1. Mannschaft absolvierte) zum SC Kriens in die damalige Nationalliga B zu wechseln. Nur so konnte ich die Schule und den Fussball einigermassen koordinieren. Schliesslich forderte diese Doppelbelastung eine gewisse Portion Toleranz von beiden Seiten – wobei ich seitens des Gymnasiums praktisch nie auf Verständnis oder gar Akzeptanz gestossen bin. Nach Schulschluss pendelte ich direkt ins Training, welches jeden Abend stattfand. Danach mussten die Hausaufgaben oder Prüfungsvorbereitungen erledigt werden. An den Wochenenden waren jeweils Spiele. Ich verzichtete zu dieser Zeit auf vieles, um beide Gleise fahren zu können. Auch auf Angebote für die Juniorennationalmannschaft musste ich wegen des zu grossen Pensums an der Schule verzichten. Es gab viele Momente, wo ich mich fragte, ob sich das wirklich lohnt oder ob ich nicht besser auf den Abschluss der Matura verzichten sollte. Wobei die Vernunft wohl ständig Sieger war und ich habe diese Entscheidung und den damit verbundenen Weg bis heute noch nie bereut. Schliesslich habe ich heute das grosse Glück, mit meiner Leidenschaft den Lebensunterhalt für meine Familie zu verdienen ohne dabei perspektivenlos dazustehen.
Beim SCK hatte ich unter anderen Fritz Schmid (Assistenztrainer beim FC Basel bis Dezember 2008), Urs "Longo" Schönenberger (letztmals Trainer bei SC Rheindorf Altach in der Saison 2008/2009) und Jürgen Seeberger (aktuell Trainer des SV Darmstadt 98 in der 3. deutschen Fusssball-Liga) als Trainer.

Als ich im Sommer 2001 die Matura mit Typus B (Latein) abgeschlossen hatte, entschied ich mich sogleich für den Beginn eines Publizistik Studiums an der Universität in Zürich. Meine heutige Frau Jane schloss die Matura gleichzeitig mit Typus C (Naturwissenschaften, Mathematik) ab.
Ein Jahr später begannen wir gemeinsam das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Luzern, nachdem Jane einen Abstecher an die HSG in St. Gallen gemacht hatte (jedoch mit der Mentalität nicht klar gekommen ist). Und so bezogen wir unsere erste gemeinsame Wohnung in Luzern.

Im Sommer 2002 - kurz vor den Semesterprüfungen - bekam ich ein Angebot von Trainer Martin Andermatt (letztmals Trainer bei der AC Bellinzona in der Saison 2012/2013) für einen Profivertrag beim FC Wil, damals in der Nationalliga A. Das war meine Chance eine Profikarriere als Fussballer zu lancieren. Ich entschied mich das Studium abzubrechen, da ich mit der Matura genügend Absicherung für die Zukunft hatte. So zogen Jane und ich von Luzern nach Bronschhofen. Bald darauf folgte unser erster Familienzuwachs - ein Samojede namens Trouble (mehr dazu im anderen Teil der Homepage).

Mit dem FC Wil gewannen wir in der Saison 2002/03 den Swisscom Cup - zum letzten mal mit dem alten Kübel bevor der neue gesponserte Kübel dessen Platz einnahm, welcher mittlerweile aber wieder abgeschafft worden ist. Wir gewannen gegen GC als klarer Underdog - und selbst die Papierfötzel zu Feier waren alle schon in den Farben blau/weiss bereitgestellt. Doch bei so einem Triumpf wird alles zur Nebensache;-).

 

In derselben Saison musste ich aber eine sportliche Niederlage einstecken, denn wir sind abgestiegen. Trotz einer bemerkenswerten Offerte vom FC Wil wollte ich weiter in der Nationalliga A -  ab der folgenden Saison Super League -  spielen. Ich schätzte die Tatsache sehr, dass der Verein beabsichtigte eine Mannschaft um mich herum aufzubauen. Unter mehreren Offerten entschied ich mich im Sommer 2003 für einen Wechsel nach Thun, obwohl ich lukrativere Angebote erhalten hatte. Da die Karriereplanung aber im Vordergrund stand, erhielten andere Punkte mehr Gewichtung als das Honorar. So war Hans-Peter Latour als Trainer wohl das Zünglein an der Waage. Doch sollte alles anders kommen als geplant und Trainer Hanspeter Latour (letztmals Trainer bei GC in der Saison 2008/2009) wurde im selben Winter von GC abgeworben. Der neue Trainer hiess Urs "Longo" Schönenberger, den ich bereits aus den Krienser Zeiten kannte.
Wir spielten in Thun eine unglaubliche Saison und es war fussballerisch eine der intensivsten und leidenschaftlichsten Zeiten bisher. Jedem meiner damaligen Mitspieler ergeht es so und wir schwärmen gerne von dieser unglaublichen Zeit. Es sagt wohl alles, wenn der Trainer uns ermahnen musste doch nicht früher als eine halbe Stunde vor dem Training auf dem Platz zu sein - damit wir alle noch fit genug für die Einheit waren. Und so war es einerseits eine Sensation, dass das „kleine“ Thun Ende der Saison 2003/04 auf dem zweiten Platz in der Meisterschaft stand – andererseits war es für uns Spieler eine Art selbstverständlich, dass wir mit so viel Leidenschaft, Arbeit und Spass etwas erreichten. Wenn nicht unter diesen Umständen, wann dann? Diese Leistung blieb nicht unbemerkt. Trainer Latour kannte mich bereits und GC löste mich aus dem Zweijahreskontrakt mit dem FC Thun. Wobei ich erwähnen muss, dass ich entgegen den vertraglichen Vereinbarungen mit dem FC Thun auf einiges (auf den gesamten vereinbarten „meinen“ Teil der Ablösesumme) verzichten musste. Und so lernte ich schnell und relativ schmerzhaft, dass im Fussball der rechtliche Grundsatz "pacta sunt servanda" nicht vollumfänglichen Anspruch hat.

Wir zogen somit weiter nach Niederglatt bei Zürich. Es folgten drei sehr interessante Jahre beim Traditionsverein GC - sportlich wie auch persönlich ein grosser Reifungsprozess für uns, welchen wir auf keinen Fall missen möchten.
Während meiner Zeit bei GC hatte ich immer wieder Angebote von anderen Vereinen. Zusammen mit den Verantwortlichen von GC haben wir jedoch immer wieder gemeinsame Ziele erkennen können und meine wichtige Position in der Mannschaft wurde mir immer wieder bestätigt. Andererseits gelten bei einem Traditionsverein eigene Gesetze. Manchmal ist der Name wichtiger als die eigentliche Leistung - was ich teilweise sehr offensichtlich zu spüren bekam.

2005 schloss Jane den Bachelor of Law an der Universität Luzern ab. Es brauchte enorme Flexibilität und Disziplin mit den ständigen Wohnortwechseln.

Im Frühling 2006 heirateten wir und bereits im Dezember 2006 kam unsere wunderbare Tochter Casey auf die Welt. Es gibt kein intensiveres und atemberaubenderes Glücksgefühl. Die Dankbarkeit und Überwältigung war und ist noch immer riesig.    

Im Winter 2007 erhielt ich unter anderen Angeboten eine konkrete Offerte vom FCL. Das Interesse auf der Seite des Vereins war riesig und ich liess mich von der Euphorie inspirieren. Verschiedene Faktoren spielten zusammen und so unterschrieb ich im Januar 2008 einen Vertrag beim FCL, wo ich nun seit dem Sommer 2008 tätig bin. Meine Familie und ich zogen im Sommer 2008 zurück nach Nidwalden. Hier fühlen wir uns beide Zuhause. Im Juli desselben Jahres mussten wir einen schweren Schicksalsschlag akzeptieren. Dessen Tragweite wird uns, aber insbesondere unseren geliebten kleinen Schatz, auf ewig begleiten. Wir sind gleichzeitig dankbar, dass es Casey nicht härter getroffen hat. Überhaupt zieht ein solcher Schicksalsschlag eine ständige Gratwanderung mit sich - es ist eine Herausforderung den Blick stets nach vorne zu richten. Tagtäglich sieht man vollkommen gesunde Kinder und sieht wie „leicht“ alles sein könnte, andererseits treffen wir bedingt durch die ständigen Therapien auf schwer- und schwerstbehinderte Kinder und es wird einem schlagartig bewusst wie viel steiniger der Weg auch sein könnte. Dazwischen die Balance zu halten ist das, was wir tagtäglich für uns tun und was wir auch versuchen unserem Schatz mitzugeben. Unsere Dankbarkeit steht ganz klar im Vordergrund.

Im November 2008 erfuhren wir nochmals das Glück Eltern zu werden. Unser Sohn Sean kam gesund auf die Welt und wir sind voller Demut gegenüber dem Wunder des Lebens.

In der Saison 2010/11 wurden wir mit dem Verein Wintermeister. Dieser Titel klingt gut, jedoch bringt er herzlich wenig, wie wir auf kräfteraubende und frustrierende Weise im nächsten Halbjahr erfahren durften. Irgendwie lief danach alles schief was zuvor einfach gelaufen ist. Meine Frau Jane war zu dieser Zeit mit unserem dritten Wunder schwanger und so hatten wir privat unser Glück - was es einerseits vereinfachte, teilweise aber auch zusätzlich erschwerte. So waren wir alle froh, als die Saison zu Ende ging und wir als Mannschaft von vorne beginnen konnten.

 

Privat empfingen wir in unendlicher Dankbarkeit und erfüllt von riesigem Glück unser drittes Wunder - Chase. In unseren Augen und Herzen sind all unsere Kinder auf ihre Weise perfekt - wir lieben sie über alles und sind dankbar, sie auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen.

Die Saison 2011/12 war in vieler Hinsicht speziell. Ich spielte oft auf einer für mich neuen Position - auf der des Innenverteidigers. An diese Umstellung konnte ich mich jedoch sehr gut gewöhnen - ein einziger Nachteil gegenüber der Position des defensiven Mittelfeldspieler ist die verringerte Möglichkeit in der Offensive Akzente zu setzen oder auch Angriffe direkter auszulösen. Dennoch fühlte ich mich sehr wohl und ich könnte mir vorstellen, auch diese Position zu spielen - es ist schliesslich ein offenes Geheimnis, dass man auf derselben Position meist eine oder zwei Saisons mehr anhängen kann als in den laufstärkeren Positionen im Mittelfeld.
Wir spielten in der Defensive eine sehr solide Saison - so ist es auch bezeichnend, dass wir am wenigstens Gegentore kassierten. Es ist klar, dass dies für mich als Defensiv- Allrounder als Auszeichnung gilt. Es ist wirklich sensationell, was wir erreicht haben, auch wenn es natürlich hart war einen Cupfinal auf diese Weise zu verlieren. Einerseits überwiegt der Stolz, dass man klar die bessere Mannschaft war - andererseits sitzt gerade deshalb der Frust besonders tief. Das wir auch noch Vizemeister wurden ist wirklich wie eine kleine Krönung. Schliesslich durften wir die erste Saison im neuen Stadion als Doppel-Zweiter abschliessen und können die zweite Saison mit Spielen in der Euro League krönen.

Beim Testspiel gegen Bellinzona im Juni 2012 wurde ich verletzt (dreifacher Kaspelrisses). Nach ein paar Spielen mit Fitspritzen (aufgrund von ungenügender Diagnose) und unsäglichen Schmerzen während den Belastungen, wurde die Kapselzertrümmerung erkannt und richtig diagnostiziert. Die Operation erfolgte im Oktober 2012. Die Operation verlief gut und ich durfte im Dezember 2012 mit dem Aufbautraining beginnen (zuvor konnte ich nur Krafttraining machen und Velo fahren). Es war eine riesige Erleichterung, dass ein Comeback möglich schien. Ich konnte im Januar 2013 mit dem Team ins Training einsteigen - musste jedoch nochmals ein paar Wochen mit der Intensität der Trainings zurückfahren.

Mein richtiges Comeback gab ich, als Gerardo Seoane die Mannschaft interim übernahm und das Spiel in Sion leitete. Was für eine Genugtuung und eine Erlösung! Die Ernennung zum Captain von unserem neuen Trainer Carlos Bernegger ist eine Bestätigung für meine Leistungen auf und auch neben dem Platz – abgesehen von der Erfahrung, die ich natürlich aufgrund der vielen Super League Spiele mitbringe.

Wie ich mich als Fussballer sehe...

 

In meiner in meiner bisherigen Karriere habe ich mit Ausnahme des Torhüters jede Position gespielt. Dadurch bin ich taktisch sehr gut geschult - ich weiss wie ich mich auf dem Platz zu bewegen/verschieben habe um meiner Mannschaft optimal zu helfen. Aufgrund meiner absoluten (manchmal sehr sturen) Teamplayer-Art ist die Kehrseites dieses Bewusstseins, dass ich mich stets verantwortlich für meine Mitspieler fühle und so auch deren Fehler auszubügeln versuche. Das macht für den Zuschauer nicht gerade den attraktivsten Spieler aus mir - aber es gibt auch Zuschauer mit einem geschulten Auge;-).
Meine Stärken - neben dem Teamplay und der Übersicht - sind Kopfbälle, Zweikämpfe und Weitschüsse. Auch meiner Schwächen bin ich mir bewusst. Ich denke nicht, dass dies der Moment ist um diese zu offenbaren.

Was für mich typisch ist - für das Verständnis des Fussballers eher atypisch - dass ich nicht der Typ bin, der gerne mit den Medien spielt. Ich freue mich (wie jeder andere auch) über eine gewisse Präsenz in den Medien, denn diese gehört in meinem Beruf dazu und ist auch eine Art positive Resonanz für die Leistung. Es ist aber keine Energiequelle für mich. Schliesslich kenne ich auch die Kehrseite dieser positiven Resonanz und da muss man die Grösse haben Kritik stehen zu lassen, obwohl das fussballerische Verständnis klar dagegen sprechen würde oder die private Situation (wie im Sommer 2008) keine Höchstleistung auf dem Platz zulassen würde.

In der Saison 2011/12 bin ich vermehrt in der Innenverteidigung eingesetzt worden, was mich zu einem Defensivallrounder macht;-). Hier kann ich meine Übersicht sehr gut einbringen und von hinten auf das Spiel Einfluss nehmen - auch wenn es manchmal schwer ist nicht noch mehr Einfluss auf das Spiel nehmen zu können. So fehlt es mir Offensivakzente zu setzen.

Steckbrief

 

Name Renggli Michel Claude
Geburtsdatum 19.3.1980 (Fische)
Ausbildung Matura Typus B, Kollegium St. Fidelils (2001), Sportmanagement, Universität Fribourg in Zusammenarbeit mit Swiss Olympics (2015)
Zivilstand verheiratet, drei Kinder
Hobbies Familie, Natur, Familienausflüge, Kino/Filme
Musik Hip Hop, Rock und Dada ante Portas
Lieblingsgetränk  Coca Cola
Lieblingsspeise Château Briand mit Béarnaise Sauce
berufliche Ziele/Wünsche  Trainer
Stärken Technik, Taktik und geschultes Auge, absoluter Teamplayer, Angriffsauslösung, Erfahrung;-)
grösste Erfolge Cup-Sieger 2004 (FC Wil), Vizemeister 2005 (FC Thun), VIzemeister 2012 (FCL), Cup Finalist 2012 (FCL)